Bahntechnischer Ausbau

2009 – 2013: Vom Rohbau zum Eisenbahntunnel

Um aus dem Tunnel-Rohbau eine unterirdische Eisenbahnstrecke zu machen, war die Ausstattung der beiden Röhren mit umfangreicher Bahntechnik erforderlich. Im Rahmen des sogenannten 'bahntechnischen Ausbaus' des City-Tunnels wurden seit 2009 Schritt für Schritt Fahrbahn, Gleise und Oberleitungen montiert sowie Einrichtung von Signaltechnik, Telekommunikation, Entwässerungs- oder Belüftungsanlagen installiert.

2009: Erd- und Gleisbau im Norden und Süden

Der City-Tunnel Leipzig wurde nördlich des Hauptbahnhofs und südlich des Bayerischen Bahnhofs in das bestehende Eisenbahnnetz eingebunden. 

  • Tiefbau: Herstellung des Geländes mit Böschungen, Entwässerungs- und Kabeltrassen für das Betreiben der Gleisanlage.
  • Spundwände südlich des Hauptbahnhofs: Befestigung des Erdgeländes bei großen Höhenunterschieden seitlich der Gleise.
  • Oberbau: Herstellung der Gleisanlage auf konventionellem Schotteroberbau.

Im Norden war das Vorhaben besonders kompliziert. Denn während im Süden die Gleise noch nicht in Betrieb sind, konzentriert sich im Norden ein dichtes Gleisnetz mit einem hohen Zugaufkommen. Der größte Teil der Bauarbeiten fand bei laufendem Verkehr statt. 

  • Zusätzliches Kreuzungsbauwerk nördlich des Hauptbahnhofs: Um die steigenden Zugzahlen zu bewältigen, musste die Deutsche Bahn im nordwestlichen Bahnhofsvorfeld ein zusätzliches
    Kreuzungsbauwerk errichten (Bauzeit April 2009 bis 2012).
  • Neuer Haltepunkt: Auf der Strecke in Richtung Taucha und Bitterfeld entstand mit dem neuen Haltepunkt Leipzig Nord (Bauzeit zwischen März 2010 und Ende 2011) eine zusätzliche Zugangsstelle zum Regionalzugnetz, die hinsichtlich der Oberleitungs- und Sicherungstechnik an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.

2009 – 2011: Das Gleisbett entsteht

Der gesamte Rohbau wurde mit einem Gleisbett ausgestattet, das auf einem Masse-Feder-System zur Stoß- und Geräuschdämpfung ruht.

  • Sohlbeton im Tübbingtunnel: Herstellen einer waagerechten Ebene im Tunnel für die weiteren Gleisaufbauten und zur Aufnahme der Tunnelentwässerung.
  • Bankette: Rechts und links des Gleises entstanden betonierte Randbereiche mit integrierten Leitungen, die zugleich als Wartungs- und Rettungswege dienen.
  • Gleisanlage als Feste Fahrbahn mit Masse-Feder-System: Es wurde ein betoniertes Gleisbett ohne Schotteraufbau geschaffen, das auf elastischen Lagern zur Schwingungsdämpfung gelagert ist, um die historischen Gebäude über dem Tunnel zu schützen.

2010: Tunnelentwässerung und Löschleitungen

Sowohl die Abwasserleitungen als auch die Löschanlagen für den Brandfall wurden errichtet:

  • Schaffung von Abwasserleitungen für das Regen- und Schleppwasser, das sich in den Tunneleinfahrten, den Halte- und Tiefpunkten sammelt.
  • Installation von Trockenlöschleitungen, in die im Brandfall durch die Feuerwehr Löschwasser eingeleitet wird.

2010/2011: Installation von Elektroenergieanlagen

Die Stromversorgung für die südliche Anbindung an das bestehende Eisenbahnnetz, für den gesamten Tunnel und die Stationen wurde geschaffen. Dazu wurden Nieder- und Mittelspannungsanlagen mit fünf Trafostationen errichtet.

  • Verlegung von 45 km Kabel, Installation der Stations- und Netzleittechnik sowie Erdungsanlage.
  • Bau einer Notstromanlage in den Stationen.
  • Installation der Tunnelsicherheitsbeleuchtung für die Wartungs- und Rettungswege inklusive Installation von 64 Elektranten zur Entnahme von elektrischer Energie.
  • Installation der Beheizung von 6 Weichen.

2011: Bau der südlichen Oberleitungsanlage

Die Gleisanlagen zur südlichen Einbindung des City-Tunnels wurden mit einer elektrischen Oberleitung ausgestattet.

  • Elektrische Versorgung der südlichen Einbindung des Tunnels (von Leipzig Tabaksmühle bis zum Tunneleingang Süd) auf einer Länge von 7 km.
  • Bau von 82 Oberleitungsmasten und 10 Schaltern zum Ein- und Ausschalten der Energieversorgung der Oberleitung.
  • Die Oberleitung wird in wartungsfreier Ausführung errichtet.

2011: Errichtung von Telekommunikationsanlagen

Zur Meldung von eventuellen Störungen an die Betriebszentrale der DB wurde der Tunnel mit umfangreichen Fernmeldeanlagen ausgestattet.

  • GSM-R: Installation eines Bahnmobilfunksystems mit 4 Funkübertragungsstationen und einem Sendemasten außerhalb des Tunnels.
  • MAS 90 System: Installation eines Fernwirksystems zur Übertragung von Befehlen und Störungsmeldungen der technischen Anlagen.
  • Installation von 34 Sprechstellen, verteilt über den gesamten Tunnel für den Tunnel-Notruf.

2012: Der City-Tunnel bekommt eine Oberleitung

Der gesamte Tunnel wurde mit einer elektrischen Oberleitung ausgestattet, die in Form einer fest installierten Deckenstromschiene speziell für Eisenbahntunnel konstruiert worden ist.

  • Herstellen von 7.450 m Stromschienenoberleitung, um im begrenzten Tunnelprofil elektrischen Zugbetrieb zu ermöglichen, einschließlich der zugehörigen Steuer-, Prüf- und Erdungseinrichtungen (OSE + OLSP).
  • Neuerrichtung der dafür erforderlichen Schalt- und Kabelanlagen.
  • Neuerrichtung der Bahn-Erdungsanlage.

2012/2013: Installation der Leit- und Sicherungstechnik

Die gesamte Signal-, Leit- und Sicherungstechnik wurde installiert, die den reibungslosen Eisenbahnverkehr im Tunnel gewährleistet.

  • Verlegung von ca. 80 km Kabel für die Signale und Weichen
  • Herstellen von 24 Fundamenten für die Signale, 2 Signalauslegern und einer Signalbrücke an Standorten, an denen einfache Signale nicht ausreichend sind.
  • Einbau der Signaltechnik
  • Errichten von 3 Havarie-Schränken für die Weichen, damit im Notfall bei einem Ausfall des elektronischen Stellwerks der Zugverkehr weiter aufrecht erhalten werden kann.